Schattenseiten (6)

Meine Fotostrecke trägt den Titel „Schattenseiten“. Und zwar weil die Schattenseite der Dinge meistens im Verborgenen bleibt. Mit meinen Fotografien wollte ich diese für andere sichtbar machen. 

 

In meiner Maturaarbeit besuchte ich armutsbetroffene Menschen im Kanton Zürich. Dabei fragte ich, ob ich für diese Fotoserie ein Zimmer fotografieren dürfte. In der Serie habe ich vier verschiedene Orte festgehalten. Einmal eine Notstelle der Heilsarmee, dann zwei Zimmer in einem Wohnheim und eine private Wohnung.

 

In dem halben Jahr konnte ich dank dieser Arbeit unheimlich viel lernen. Vor allem was den Umgang mit Menschen betrifft. Aber auch, dass jeder Mensch aus anderen Gründen anders lebt und zwar aus dem einfachen Grund, dass es sich für ihn bewährt hat. So sollte man jede Lebensweise, solange niemandem geschadet wird akzeptieren und sich gegenseitig bestärken.

 

Zudem konnte ich mit der Arbeit zeigen, wie vielschichtig das Problem Armut ist und dass es nur mit finanzieller und materieller Zuwendung nicht lösbar ist. Dazu braucht es viel mehr; Menschlichkeit, soziale Kontakte und Bestärkung.

 

Teilweise nahmen mich die vielen Begegnungen und Schicksale auch sehr mit. Ich lebe schon mein ganzes Leben hier in Zürich, aber dennoch bemerkte ich die Armut nicht, weswegen ich auch oft ein schlechtes Gewissen hatte. Meine Wahrnehmung hat sich diesbezüglich sehr geändert. Mittlerweile ist die Armut für mich allgegenwärtig und ich bin viel sensibler auf das Thema geworden. Kurz: Ich habe auch für mich als Person extrem viel lernen und mitnehmen können. 

 

 

Clara Beer

VOR 1 Jahr